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KI im DaF / DaZ-Unterricht: Der Weg vom Instruktor zum Lerncoach

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Künstliche Intelligenz (KI) ist mehr als nur ein technologischer Trend. Im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) hat sie das Potenzial, den Unterricht grundlegend zu verändern. Sie ist keine Bedrohung für Lehrkräfte, sondern eine hochspezialisierte Assistentin, die uns entlastet und neue Möglichkeiten eröffnet. Doch wie nutzen wir dieses mächtige Werkzeug am besten?


KI: Der vierte Lehrer im Raum

Im DaZ-Unterricht stehen wir oft vor einer großen Herausforderung: der unglaublichen Vielfalt. In einer Klasse sitzen Kinder aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen. Für eine einzelne Lehrkraft ist es kaum möglich, jedem Kind gerecht zu werden, besonders wenn es um die Feinheiten der deutschen Sprache geht.

Genau hier kommt die KI ins Spiel. Man könnte sie als eine Art „vierten Lehrer“ im Raum betrachten. Einen, der unendlich viel Zeit und Geduld hat. KI im Unterricht ist dabei keine bloße Technologie, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Informatik, Pädagogik und Linguistik. Die Informatik liefert das Werkzeug, die Pädagogik sagt uns, wie wir es sinnvoll anwenden, und die Linguistik gibt uns das Was – die Sprache selbst.


Vom Wissensvermittler zum Lerncoach

Eine der brennendsten Fragen ist: Werden wir Lehrkräfte durch KI überflüssig? Die Antwort ist ein klares Nein. Die KI kann Aufgaben erstellen und Feedback geben, aber der menschliche Faktor bleibt entscheidend.

Unsere Rolle verschiebt sich vom reinen Wissensvermittler hin zum Lerncoach. Wir werden zu Dirigenten, die die Technik mit unserer Erfahrung, Empathie und unserem pädagogischen Gespür kombinieren. Die KI übernimmt dabei die mühsamen, repetitiven Aufgaben und schafft so Freiräume, in denen wir uns auf das konzentrieren können, was eine Maschine eben nicht kann: Beziehungen aufbauen, motivieren und die Lernprozesse kritisch begleiten.

KI in der Praxis: Eine Fallstudie

Wie kann so etwas im Schulalltag aussehen? Stellen Sie sich vor, Sie möchten mit Achim, der Arabisch spricht, und Anna, deren Muttersprache Portugiesisch ist, eine deutsche Kurzgeschichte lesen. Eine ganz alltägliche Situation, die aber schnell zur Herausforderung werden kann.

Anstatt mühsam zu recherchieren, können Sie die KI nutzen. Mit einem cleveren Prompt bitten Sie die KI, den Text zu analysieren und potenzielle Stolpersteine für Achim und Anna zu identifizieren. Ein guter Prompt fragt nicht nur, welche Wörter schwierig sind, sondern auch, warum und wie man Brücken zu den Erstsprachen der Kinder bauen kann.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Die KI liefert eine detaillierte Liste, erklärt, dass „Schraubverschluss“ ein Kompositum ist, „Tube“ ein Lehnwort, „verformen“ sich gut mit Knete erklären lässt und liefert sogar die Vokabeln in den jeweiligen Muttersprachen. Was manuell Stunden dauern würde, erledigt die KI in Sekunden.

Schüler als KI-Partner

KI kann nicht nur eine Unterstützung für Lehrkräfte sein, sondern auch ein mächtiges Werkzeug in den Händen der Lernenden selbst. Die Schüler werden vom passiven Empfänger zum aktiven Gestalter ihres eigenen Lernens.

Mithilfe der KI können sie:

  • Dialogtraining: Chatbots für angstfreies Sprechen nutzen.
  • Interviews: Gespräche mit KI-Promis führen, um ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
  • Vokabellieder: Lieder mit neuen Vokabeln komponieren, um sie sich besser zu merken.
  • Textfeedback: Sofortiges Feedback zu Textentwürfen erhalten, was eine ständige Rückmeldung ermöglicht.

Die Technologie ist da und oft nur einen Klick entfernt.


Mensch im Mittelpunkt: Guter Unterricht neu gedacht

Die Sorge, dass KI zum Schummeln verleitet oder die Lehrkraft überflüssig macht, ist verständlich, aber sie ist nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ermöglicht uns KI, personalisiertes Feedback und differenziertes Lernen zu fördern. Es geht nicht darum, uns zu ersetzen, sondern darum, unsere Arbeit zu bereichern. Die KI kann die Lehrkraft nicht ersetzen, aber den Unterricht deutlich bereichern.

Denn die grundlegenden Ziele von guter Bildung bleiben bestehen: die Förderung von Autonomie, kritischem Denken und Kommunikationsfähigkeit. Wenn die KI uns die Antworten liefert, besteht unsere Aufgabe in Zukunft darin, die richtigen Fragen zu stellen. Und genau diese Fähigkeit müssen wir auch unseren Schülerinnen und Schülern beibringen.

Die Werkzeuge liegen auf dem Tisch. Was für eine Zukunft des Lernens wir gestalten, liegt in unserer Hand. Sind Sie bereit, die richtigen Fragen zu stellen?


Wenn Sie tiefer in die Materie eintauchen und erfahren möchten, wie Sie diese Werkzeuge gezielt in Ihren Unterricht integrieren, laden wir Sie ein, den nächsten Schritt zu machen. Nutzen Sie unser Kontaktformular auf Mediendozent.com, um eine maßgeschneiderte Schulung für Ihr Team zu vereinbaren. Gemeinsam entdecken wir das volle Potenzial der KI und gestalten die Zukunft des Lehrens und Lernens aktiv mit.