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Wenn KI-Prompts eigene Wege gehen – Lernchancen für den Unterricht

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Was Sie hier sehen, war nicht geplant. Eigentlich sollte ein professionelles Video für diesen Blogbeitrag entstehen, das die Möglichkeiten der KI-Videogeneration mit Tools wie VEO3 demonstriert. Stattdessen wurde daraus eine Horror-Geschichte, die eher an einen B-Movie erinnert als an einen Bildungsbeitrag.

Die ursprüngliche Vision

Geplant waren drei aufeinander aufbauende Szenen für ein Video, das farblich und inhaltlich zu Mediendozent.com passen sollte:

Szene 1 – Der Arbeitsplatz: „Ein futuristischer Arbeitsplatz für KI-Videogeneration: Nahaufnahme eines modernen Laptops auf einem eleganten dunklen Schreibtisch. Auf dem Bildschirm ist VEO3 oder eine ähnliche KI-Video-Plattform zu sehen. Der Bildschirm strahlt sanft in den charakteristischen Farben. Daneben liegt ein Tablet mit Storyboard-Skizzen. Die Kamera zoomt langsam heraus und offenbart eine Person, die konzentriert an einem KI-Video-Projekt arbeitet. Farbpalette: Tiefes Dunkelblau bis Schwarz als Basis, lebendiges Magenta/Violett, Cyan/Türkis-Akzente, sanfte weiße Highlights.“

Szene 2 – Der Spektakel-Effekt: „Ein massives digitales Wesen bricht durch eine Betonwand in einem explosiven Moment. Das Monster hat ein elegantes, technologisches Aussehen mit leuchtenden Schaltkreis-Mustern auf seinem Körper. Trümmer fliegen dramatisch umher, während die Wand einstürzt.“

Szene 3 – Der Bildungsbezug: „Die Szene verwandelt sich: Das Monster entpuppt sich als holographische KI-Projektion in einem modernen Klassenzimmer. Schüler staunen, während ihre Lehrkraft das Hologramm mit einem Tablet steuert und immersive Lerntechnologie demonstriert.“

Was wirklich passierte

Die KI interpretierte die Prompts auf ihre eigene, unvorhersagbare Weise. Statt einer professionellen Demonstration entstand eine surreale Geschichte, in der die Protagonistin vom eigenen digitalen Projekt „verschlungen“ wird. Die geplante positive Wendung zum Bildungskontext? Fehlanzeige.

Der Lernmoment – und hier wird es interessant für den Unterricht

Was zunächst wie ein Fehlschlag aussieht, offenbart enormes pädagogisches Potenzial. Denn genau diese Erfahrung – die Diskrepanz zwischen Erwartung und KI-Realität – ist eine der wichtigsten Lektionen im Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz.

Unterrichtseinsatz: Von der Panne zur Pädagogik

1. Medienkompetenz entwickeln Zeigen Sie Ihren Schülern das Video und die ursprünglichen Prompts. Lassen Sie sie analysieren:

  • Warum hat die KI so interpretiert?
  • Welche Wörter könnten missverständlich gewesen sein?
  • Wie hätten die Prompts präziser formuliert werden können?

2. Kreatives Schreiben fördern Aufgabe: „Schreibt bessere Prompts für die gewünschten Szenen“

  • Schüler lernen präzise, eindeutige Beschreibungen
  • Sie entwickeln Verständnis für die Bedeutung von Kontext
  • Förderung der sprachlichen Genauigkeit

3. Ethik und KI diskutieren

  • Warum „entscheidet“ sich KI für bestimmte Interpretationen?
  • Welche Verantwortung tragen wir als Nutzer?
  • Wie gehen wir mit unerwarteten oder unerwünschten Ergebnissen um?

4. Problemlösungskompetenzen stärken Projektarbeit: Teams entwickeln verschiedene Lösungsansätze:

  • Gruppe 1: Neue Prompts für das ursprüngliche Konzept
  • Gruppe 2: Wie kann man das „Horror-Video“ für Bildungszwecke nutzen?
  • Gruppe 3: Entwicklung einer Checkliste für besseres Prompt-Engineering

5. Reflexion und Iteration Das Video wird zum Anlass für eine wichtige Lektion: In der digitalen Welt ist selten der erste Versuch perfekt. Iteration, Verbesserung und Anpassung sind normale Bestandteile jeden kreativen Prozesses – ob mit oder ohne KI.

Praktische Unterrichtsideen

Deutsch/Sprache:

  • Vergleich zwischen vagen und präzisen Beschreibungen
  • Übung: „Beschreibt euer Traumzimmer so, dass eine KI es korrekt visualisiert“

Informatik:

  • Einführung in Prompt-Engineering als neue Schlüsselkompetenz
  • Analyse von Input-Output-Beziehungen bei KI-Systemen

Kunst/Medien:

  • Storyboard-Entwicklung für KI-Videos
  • Diskussion über künstlerische Intention vs. technische Umsetzung

Philosophie/Ethik:

  • Was bedeutet „Kreativität“ bei Maschinen?
  • Wer ist verantwortlich für KI-generierte Inhalte?

Das Konzept des „4. Lehrers“ erweitert

Dieses Erlebnis passt perfekt zu unserem Konzept des „4. Lehrers“ – der KI als Lernpartner. Hier zeigt sich: Die KI ist nicht der allwissende Assistent, sondern ein Werkzeug, das Führung und Verständnis braucht. Schüler lernen, dass auch hochmoderne Technologie menschliche Kompetenz und kritisches Denken erfordert.

Die „gescheiterte“ Videoproduktion wird so zum wertvollen Lehrmaterial über:

  • Realistische Erwartungen an KI-Tools
  • Die Bedeutung präziser Kommunikation
  • Den iterativen Charakter digitaler Kreativität
  • Die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle und Bewertung

Fazit: Aus Pannen werden Lernchancen

Was als professionelles Demovideo geplant war, entwickelte sich zu einem authentischen Beispiel für die Realität der KI-Nutzung. Und genau das macht es für den Unterricht so wertvoll. Unsere Schüler sollen verstehen: KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Zauberstab. Sie erfordert Kompetenz, Geduld und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

Das nächste Mal, wenn Ihre Schüler mit ChatGPT, VEO3 oder anderen KI-Tools arbeiten und nicht das erwartete Ergebnis erhalten, erinnern Sie sie an dieses Video. Manchmal führen die besten Lernmomente über Umwege – auch in der digitalen Bildung.